DVGW-AB G 260 Gasbeschaffenheit Stand 2021: Was ist neu?

Das DVGW-Arbeitsblatt G 260 legt die Anforderungen an die Beschaffenheit von Brenngasen in der öffentlichen Gasversorgung fest. Das umfasst sowohl die brenntechnischen Kenndaten Wobbeindex, Brennwert und relative Dichte als auch Gasbegleitstoffe wie zum Beispiel Schwefelverbindungen, Wasseranteil und Sauerstoff. Die G 260 bildet damit die Grundlage für Transport, Handel (Abrechnung), Anwendungstechnik, Speicherung und industrielle Anwendungen

Was sind die wesentlichen Neuerungen in der G 260? 

Die im September 2021 erschienene 9. Ausgabe wurde fachlich und redaktionell durch die entsprechenden Gremien des DVGW überarbeitet. Ein Schwerpunkt der Überarbeitung war die Verkleinerung der Gesamtbreite des Wobbebereiches und die Einführung einer lokalen Schwankungsbreite. Ein weiterer Schwerpunkt war die Festlegung eines zulässigen Wasserstoffgehaltes in der 2. Gasfamilie, sowie die Einführung der 5. Gasfamilie für reinen Wasserstoff. Des Weiteren stand die Harmonierung der G 260 mit europäischen Norm DIN EN 16726 „Beschaffenheit von Gas – Gruppe H-Gas“ und die der Integration der G 262 in die G 260 im Mittelpunkt.  

Mit der vorliegenden Ausgabe der G 260 wurden nicht alle Punkte abschließend und zur Zufriedenheit aller Markteilnehmer bearbeitet. Daher stellt diese 9. Ausgabe aktuell einen Kompromiss dar und die Arbeiten an den Themenschwerpunkten werden im Verband fortgesetzt. 

Im Folgenden werden die Themenkomplexe Wobbeindex und Wasserstoff als Zusatzgas der 2. Gasfamilie näher behandelt. 

Informationen zur Zusammenlegung G 260 und G 262, Netzzellen, Wasserstoff als 5. Gasfamilie finden sich auch im Blogbeitrag „Wasserstoff und die neue G 260 – Wirkung auf Mess- und Abrechnungsthemen“

Ist ein schwankender Wobbeindex problematisch?  

Der Wobbeindex ist die Kenngröße für die Austauschbarkeit von Gasen. Gase mit unterschiedlicher Zusammensetzung aber vergleichbaren Wobbeindex führen zu einer gleichen Wärmebelastung. Ein höherer Wobbeindex führt zu einer höheren Belastung und kann ab einer gewissen Überschreitung zu einer Schädigung des Gasgerätes führen. Ein geringerer Wobbeindex hingegen führt zu Leistungseinbußen bis hin zum Erlöschen der Flamme.  

Der Wobbeindex darf daher nur in einem definierten Bereich schwanken. Ein schmaler Wobbebereich ist optimal in der Gasanwendung, da die Verbrennung mit einer hohen Effizienz und Sicherheit, sowie geringen Emissionen erfolgt. Ein schmaler Wobbebereich mindert aber die Diversität der Bezugsquellen. Es gilt daher einen Wobbebereich zu definieren, der beiden Punkten gerecht wird. Die G 260 legte bislang einen Wobbebereich von 13,6 bis 15,7 kWh/m³ fest. Die Hauptstudie Gasbeschaffenheit des DVGW aus 2018 zeigte, dass in der lokalen Anwendung die volle Bandbreite nicht ausgenutzt werden kann, da es zu Problemen bei Effizienz, Sicherheit und Produktqualität kommen kann. Vielmehr schlägt die Studie eine Schwankungsbreite von ± 2 % (ca. 0,3 kWh/m³) vor. Außerdem sollte nach der Studie der Gesamtbereich auf 15,3 kWh/m³ begrenzt werden. 

In langwierigen Diskussionen und Verhandlungen wurde die obere Grenze des Wobbebereiches von 15,7 kWh/m³ auf 15,4 kWh/m³ abgesenkt. In Ausnahmefällen kann jedoch die obere Grenze auf 15,7 kWh/m³ erhöht werden. 

Eine lokale Schwankungsbreite wurde in der G 260 nicht festgelegt. Die Hauptstudie Gasbeschaffenheit bildet einerseits eine gute Basis, ist aber andererseits für eine abschließende Festlegung der Schwankungsbreite nicht ausreichend. Die Zuständigkeit für den Einhalt der lokalen Schwankungsbreite konnte abschließend nicht geklärt werden. Zur weiteren Bearbeitung des Themas wurde beim DVGW ein fachübergreifender Projektkreis berufen.

Wasserstoff als Zusatzgas der zweiten Gasfamilie   

Die Einspeisung von Wasserstoff in Netze der zweiten Gasfamilie ist durch die Überarbeitung der G 260 prinzipiell bis 10 % möglich. Allerdings sind brenntechnische Kenndaten des Grundgases und die Abnahmestruktur des Gasnetzes zu berücksichtigen. 

Wasserstoff senkt den Wobbeindex und die relative Dichte ab. Das führt zum Beispiel bei russischem Erdgas oder beim Einsatz von reinem Biomethan bei einer Zumischung von 10 % Wasserstoff zu einer Unterschreitung der zulässigen relativen Dichte von 0,55. Es ist daher erst nach einer Einzelfallprüfung zulässig, die untere Grenze der relativen Dichte zu unterschreiten.  

Weitere Restriktionen ergeben sich aus den Anwendungsbereichen der Gasinfrastruktur:  

Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen und Einsatzgrenzen wurde kein allgemeingültiger Grenzwert für Wasserstoff in der 2. Gasfamilie in der G 260 festgelegt. 

Weitere Themen & Ausblick 

Das DVGW-Arbeitsblatt G 260 wird den ständigen Veränderungen in der Gasinfrastruktur angepasst. Die Themenschwerpunkte für die nächste Überarbeitung stehen bereits an und an einigen wird auch schon gearbeitet.  

Der zulässige Gesamtschwefelgehalt in der von maximal 6 mg/m³ für unodoriertes Gas liegt deutlich unter dem der DIN EN 16726 mit 21 mg/m³. Hier wird eine Harmonisierung der Regelwerke angestrebt. 

Ein weiterer Themenkomplex ist die Neubewertung des Grenzwertes für Schwefelwasserstoff von 5 mg/m³. Es liegen Erkenntnisse vor, dass Schwefelwasserstoff in Kupferleitungen Sulfide bildet. Diese Ablagerungen können zu Problemen in den nachgelagerten Gasanwendungen führen. Daher ist die Absenkung des Grenzwertes zu prüfen. 

Die Schwankungsbreite des Wobbeindex wird auch künftig einen Arbeitsschwerpunkt darstellen. Hierbei wird nicht nur die Höhe der Schwankungsbreite und die Zuständigkeiten im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Änderungsgeschwindigkeit. 

Des Weiteren werden in der nächsten Überarbeitung der G 260 die Erfahrungen zur Wasserstoffnutzung einfließen. Das betrifft insbesondere die Verwendung als Zusatzgas in der 2. Gasfamilie, die Umstellung von Erdgasleitung auf Wasserstoffleitungen sowie Herstellung, Transport und Verwendung von reinem Wasserstoff als 5. Gasfamilie.  

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Dr. Thomas Höcher

ONTRAS Gastransport GmbH

Im Rahmen des INFRACON Online-Seminars am 11.2.2022 referierte Dr. Thomas Höcher über die Neuerungen der DVGW G260, insbesondere zu den Themen Einführung der 5. Gasfamilie und Anpassung des Wobbeindex.

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