Das Ende der Kugelkappen

Bericht aus der ZfK - Zeitung für kommunale Wirtschaft vom 09.07.2018

Bericht aus der ZfK - Zeitung für kommunale Wirtschaft vom 09.07.2018

Kleben statt Schweißen: Gasrohre weisen manchmal Mängel und Schäden auf. Eine Sanierung mit Faserverbundstoffen ist eine Option.
 

Das Ende der Kugelkappen

Rohrleitungen sind das Rückgrat des deutschen Erdgasnetzes. Auf einer Länge von insgesamt 530 000 Kilometern winden sich Fernleitungs- und Verteilernetze durch die Bundesrepublik und stellen die Versorgung mit Erdgas sicher. Intakte, einwandfrei funktionierende Rohrleitungen sind daher unerlässlich für den Alltag in der Bundesrepublik. Jedoch können die Rohre, die mindestens einen Meter tief unter der Erde liegen, etwa durch Korrosion Schaden nehmen. Für einen solchen Fall sind verschiedene Reparaturtechnologien entwickelt worden, die eine schnelle, wirtschaftliche und sichere Instandsetzung gewährleisten.

Nichtmetallische Reparatur | Der Fernleitungsnetzbetreiber Ontras Gastransport GmbH hat sich jüngst für einen neuen Weg entschieden: Nachdem das Zertifikat für das bisherige Instandsetzungssystem für Rohre abgelaufen ist, haben sich die Spezialisten für das nichtmetallische Reparaturverfahren Loctite Composite Pipe Repair (Loctite CPR) entschieden. Damit können Wanddickenminderungen bis hin zu Durchbrüchen, Schweißnähte und Beulen an Leitungen ab 40 Millimeter Durchmesser und Bogenradien ab 1D sowie T-Stücke, Rohrbögen, Reduzierstücke und Flansche repariert werden. »Das Besondere an dem Verfahren ist, dass es auf Basis eines Glas-Kohlefaserverbundsystems funktioniert, womit schließlich die fehlerhafte Stelle einlaminiert wird«, erklärt Andreas Raschke, Sachverständiger bei der Ontras.

Ursprünglich wurden Korrosionsschäden oder auch innere Unregelmäßigkeiten von Schweißnähten mit sogenannten Kugelkappen oder geteilten Halbschalen überschweißt. »Eine solche schweißtechnische Reparatur war jedoch aufwendiger: Es wurden Schweißer benötigt und vor allem extra Bauteile«, erläutert Raschke. Deshalb entschied sich die Ontras bereits vor über zehn Jahren, auch auf nichtmetallische Reparatursysteme zu setzen. »In Abhängigkeit der technischen Parameter bietet das System Kostenvorteile gegenüber den konventionellen Instandsetzungsverfahren. Dazu besitzt der neue Hersteller alle notwendigen Zertifikate, um diese Technologie auch bei Gashochdruckleitungen einzusetzen«, sagt der Sachverständige.

Epoxid auftragen | Wie geht man nun vor? Zunächst muss die Rohrleitungsoberfläche von der bestehenden Umhüllung, scharfen Kanten und Staub befreit werden. Ebenfalls gehört die Reinigung der Oberfläche wie auch das Auftragen eines temporären Korrosionsschutzes und Haftvermittlers zu diesem Arbeitsschritt. Nach Kontrolle der Umgebungsund Oberflächentemperatur sowie der Luftfeuchtigkeit kann die beschädigte Stelle mit einer Art Klebstoff (keramikgefülltes Epoxid) nachgebildet werden. Anschließend beschichten die Mitarbeiter die Rohroberfläche mit dem aus Harz und Härter hergestellten Epoxid. Zum Schluss fixieren die Mitarbeiter das erst aufgerollte und später auf das Rohr laminierte Glas-Kohlefasergewebe mit Abreißband. »Wichtig ist, dass das Kohlefasergewebe mit dem Epoxid vollständig imprägniert wird, um das Rohr fachgerecht instandzusetzen.« All das funktioniert im In-situ-Reparaturverfahren, womit Stillstandzeiten reduziert oder vermieden werden können.

Die FGL 214 sollte die erste Gashochdruckleitung mit einer Nennweite DN 900 sein, die mit Loctite CPR repariert wurde. »Vor allem haben wir dabei unter Feldbedingungen überprüft, ob das System baustellentauglich ist und ob es sich für den Einsatz solcher Großrohre eignet.«

Das Ergebnis: Korrosionsschaden und Schweißnahtunregelmäßigkeit konnten instandgesetzt werden. Auf weiteren Testbaustellen wurden selbst wanddicke Durchbrüche repariert. Dafür müssen nun keine Rohre mehr ersetzt werden und die Nutzungsdauer der betroffenen Rohrleitung erhöhte sich um bis zu 20 Jahre.

Ständige Prüfung | Ständig wird das System geprüft: So stehe momentan ein Rohrstück mit Rissen auf dem Prüfstand, das temporär mit Loctite CPR repariert wurde. In der Bauteilprüfung wird das Rohr nun 15 000 Mal vom niedrigsten Druck von fünf bar bis zum maximalen Druck von 55 bar belastet. »Damit schauen wir, ob ein reparierter Riss hält. Wir wollen das System auch ausreizen.« Ontras bietet Dritten über ihre Servicetochter Infracon Infrastruktur Service GmbH & Co. KG ein Komplettpaket zur Reparatur an. Das Produkt ist nicht nur auf die Instandsetzung von Gashochdruckleitungen beschränkt. Ebenso könnten Wasser-, Öl- oder auch Chemieleitungen damit saniert werden.
 

Autor: Christian Kolacny, Mitarbeiter der Unternehmensentwicklung bei INFRACON Infrastruktur Service GmbH & Co. KG